Püppchen – ein Theaterstück zum Thema Essstörungen

Mobiles Theater-Ensemble besucht die Schule am Meer

Die Schüler der achten Klassen erlebten am 17. Januar 2018 einen besonderen Schultag mit ernstem Hintergrund. Kristin Baumgartl und Anna Koslowski, die beide als freischaffende Schauspielerinnen tätig sind, führten am Standort Otto-Johannsen-Straße das Stück „Püppchen“ auf. Im Anschluss gab es eine Feedbackrunde mit den Darstellerinnen sowie einen vertiefenden Vortrag zum Thema Essstörungen von Thorsten Schmidt von der AOK NordWest.

Im Theaterstück geht es um die Freundinnen Lena und Shirin. Beide entwickeln aus unterschiedlichen Gründen eine Essstörung. Shirin möchte dem Schönheitsideal der mageren Stars aus den Hochglanz-Magazinen entsprechen. Eisern hält sie Diät, treibt übermäßig Sport und bemerkt dabei nicht, dass sie mit ihrer zunehmend schlechten Laune ihr Umfeld abstößt. Am Ende isst sie nur noch einen Apfel pro Tag, bekämpft diese Kalorien mit zwei Stunden exzessivem Sport und tauscht sich im Internet auf Foren mit Gleichgesinnten aus, wie man es schafft, noch mehr abzunehmen. Shirin ist magersüchtig. Ihre Freundin Lena leidet in ihrem familiären Umfeld. Ihre Eltern sind gestresst und haben nie Zeit für sie. Sie hat zu funktionieren und muss im Haushalt sehr viele Aufgaben übernehmen. Außerdem muss sie Klavierunterricht nehmen, obwohl es ihr nicht besonders viel Spaß macht. Die Eltern haben stets eine hohe Erwartungshaltung, ihr wird ständig gesagt, was sie zu tun hat, und dabei interessiert es keinen, was eigentlich ihre eigenen Bedürfnisse sind. Immer wenn sie traurig und allein ist, tröstet sie sich mit Essen, insbesondere mit ungesunden Snacks und Süßigkeiten. Eines Tages ekelt es sie an, dass sie gerade Unmengen von Chips und Schokolade vertilgt hat. Sie erbricht alles auf der Toilette. Auch für sie beginnt damit ein unheilvoller Teufelskreis: Lena entwickelt eine Bulimie. Im Verlauf des Stücks erkennt sie aber im Gegensatz zu ihrer Freundin, dass sie an einer Essstörung leidet. Sie sucht sich professionelle Hilfe und beschreitet den schweren Weg einer Therapie. Ihre Freundin Shirin kann sie davon nicht überzeugen. Ihr Schicksal bleibt bis zum Ende der Theatervorstellung offen.

Nach dem Stück haben die Darstellerinnen Anna Koslowski und Kristin Baumgartl mit den Schülern gesprochen. Zunächst interessierte die beiden, wie es ihren jungen Zuschauern gefallen hat. Das Feedback war positiv. Den Achtklässlern gefielen die lockere Sprache, die coole Musik und die amüsante Aufbereitung eines sehr ernsten Themas. Das Stück regte zum Nachdenken an und war sehr lehrreich. Interessant fanden viele, dass es mit den zwei dargestellten Essstörungen Magersucht und Bulimie zwei Perspektiven gab. Es folgten einige Übungen. Dabei lernten die Jugendlichen, dass gegenseitiger Respekt, Selbstachtung und Selbstbewusstsein einen hohen Stellenwert haben sollten. Rund 80 Vorstellungen geben Baumgartl und Koslowski pro Jahr. Nähere Informationen zum Stück gibt es unter www.pueppchen.info.

Dipl.-Sozialarbeiter/ Sozialpädagoge (FH) Thorsten Schmidt von der AOK NordWest informierte mithilfe anschaulicher Schaubilder auf seiner Flipchart zum Thema Essstörungen. Dabei nahm er insbesondere Bezug auf die drei psychosomatischen Erkrankungen Magersucht, Bulimie und Binge Eating Disorder.

Er erläuterte die Symptome, machte Angaben zur Anzahl der Erkrankten und zum prozentualen Anteil weiblicher und männlicher Betroffener. Oft fragte er die Schüler nach ihrer Einschätzung und kam dabei immer wieder auf die zwei Figuren aus dem Theaterstück zurück.

Darüber hinaus ging es um die Folgen dieser Krankheiten, um die Gründe, die zumeist zu einer Essstörung führen, sowie um Möglichkeiten, wo Betroffene Hilfe erhalten können. Da er viel mit Erkrankten zu tun hat, konnte er beispielhaft von einigen Fällen berichten.

Text und Bilder: Claudia Brandt